Reisen

Montag, 23. Juli 2007 Preikestolen

Die Felskanzel Preikestolen

Die 604 m hohe Felskanzel Preikestolen

Der Tag fängt regnerisch an. Das kann ja heiter werden. Dennoch machen wir uns auf den Weg zum Lysefjord. Denn dort soll man eine faszinierende Aussicht aus 640 Meter auf den hochwandigen Fjord haben. Also nicht erschrecken lassen und los geht’s. Auf dem Weg hört es auch kurz nach Haugesund auf zu regnen und es ist nur noch bewölkt. Als wir Ølen erreichen lockert sich der Himmel weiter auf, aber ganz aufreißen tut er heute leider nicht.

Wir biegen hier ab nach Sandeid und fahren wieder auf der Rv46 bis Ropeid. Hier nehmen wir aber heute die Fähre über den Sandsfjord nach, der Name lässt es vermuten, Sand. Die Fähre kostet für PKW und 2 Personen 74 Kronen (das sind ca. 10 Euro). Weiter geht es kurz vor Hålandsosen über den Tyssefjord bis nach Nesvik. Dort kommt die nächste Fähre über den Jøsenfjord nach Hjelmelandsvågen. Wieder 74 Kronen. Auf dem Weg bisher gab es allerdings häufiger Punkte mit schöner Aussicht. Weiter über Årdal und Tau. Hier kann man über die Bucht (wahrscheinlich Hillefjord) bis nach Stavanger sehen. Ich sag zu Heike: „Nun hab ich auch Stavanger gesehen, also brauch ich da nicht mehr hin fahren!“ Heike lächelt müde und ich weiß ich komme nicht darum herum. Wir erreichen Jørpeland und müssen kurz danach linkls abbiegen. Den Campingplatz lassen wir rechts liegen und fahren den Weg weiter bergauf.

Irgendwann beginnen dann Parkverbotsschilder an beiden Seiten der Straße. Also kann es nicht mehr weit sein. Nicht mehr weit ist relativ also geht es noch ein ganzes Stück. Die Norweger haben warscheinlich ausgetestet, wie weit müssen wir Parkverbote machen damit die Leute lieber 60 Kronen zahlen, denn soviel kostet die Parkgebühr am Ausgangspunkt des Weges zum Preikestolen. Wenn wir etwas mehr Zeit hätten wäre ich wieder Umgedreht und hätte davor geparkt. Da der Weg eine knappe halbe Stunde mindestens gedauert hätte. Zahlen wir die 60 Kronen an das Mädchen welche den Parkautomaten bedient und fragen Sie ob Sie den neuen Harry Potter genießt, denn sie hat das schwarze Buch auf ihrem Stuhl liegen. Sie antwortet mit einem begeisterten „Yes, it’s fantastic“, erlässt uns allerdings dennoch keine Øre. Naja, also die Wanderstiefel an und los geht’s.

Der Weg beginnt mit einem sehr steilen, mit größeren Steinklumpen gefülltem, Schotterweg, der manchmal durch querliegende Baumstammtreppen „erleichtert“ wird. Später sind es dann nur noch Felsen die zu erklimmen sind und es sieht eigentlich so aus als ob es ein trockenes Gebirgsbachflussbett ist. Die Ebenen die zischendurch zu durchqueren sind, haben allerdings einen Weg aus Holzbrettern. Das ist wahrscheinlich weniger als Schutz für die „Sumpflandschaft“ gedacht, sondern eher damit mehr Leute zu diesem Punkt reisen.

Der Aufstieg, den wir rasend bewältigen, so dass uns einige wahrscheinlich für ziemlich bekloppt halten, ist schon anstrengend. Für diesen Fall haben wir ja vor kurzem das Höhentraining in den Dolomiten bewältigt. Nach etwa 1 Std und 10 Minuten und vielen Überholvorgängen kommen Wir an der völlig überfüllten Kanzel an. Wir machen ein paar Bilder und ich bin froh, als wir uns zum Mittagessen hinsetzen. Meine Beine haben den Aufstieg ohne jeden Mucks mitgemacht, aber diese Höhe ist dann doch schlagartig hinein gefahren. Wir haben nun auch noch Glück die Sonne zeigt sich und der Ausblick wird nochmal schöner. Zudem kann man nun auch die anderen Leute genießen. Man ist manchmal selber bekloppt anzusehen, aber ich hoffe das man nie so peinlich rüber kommt wie die meisten anderen. Das Beste war dabei ein ca. 40 jähriger der andauern wieder an der Spitze der Kanzel zu sehen war. Die Pose, die er dabei einnahm, erinnerte uns beide an einen triumphierenden Gorilla. King Kong, Gut, Uh Uh! Trotz der Überfüllung gab es weiter oberhalb noch ruhige Plätze.

Leider mussten wir dann wieder absteigen, denn alleine für die Fahrt zurück mussten wir 3 ½ Stunden einrechnen. Wieder die Hufe in die Hand (die Norweger sagen dazu wörtlich übersetzt, die Füsse in den Nacken werfen) und hinab. Zunächst erschien es so als ob alle oben wären oder schon wieder unten sind, denn wir konnten fast über sie Steine joggen, dann hingen wir aber hinter eine größeren Schweizer Gruppe fest. Irgendwann begegneten wir zwei Japanerinnen. Diese beiden Frauen haben wir schon beim Aufstieg überholt. Die eine der beiden Frauen hat dermaßen Angst die Schritte über die Steine zu machen, dass die andere bei jedem Schritt der ängstlichen Frau gut zureden und die Hand halten musste. Mein Gott, ich hab schon bei mehreren gedacht „respekt, dass du es hier hoch geschafft hast“, aber diese beiden Frauen verdienen beinahe Ehrfurcht. Welche Qual die eine Frau dafür auf sich nimmt, den Ausblick genießen zu können und die andere, die mit einer solchen Geduld Hilfe leistet. Die beiden werden bei diesem Tempo erst in der Nacht wieder unten ankommen. Wir erreichen nach nicht ganz einer Stunde Abstieg wieder den Parkplatz. Es hätte noch etwas schneller gehen können, aber wir waren halt nicht die einzigen auf dem Weg. Diesen Sprint merken die Sehnen an meinen Kniescheiben nun deutlich und ich bezahle nun den Preis dafür.

Auf der Rückfahrt zahlen wir wieder die beiden Fähren und damit sind die Kosten für die 370 km Strecke mit dem Auto fast bedeutungslos. Wir machen nun noch ein fast kitschiges Foto von einem Fjord und sind dann richtig geschafft wieder zu Hause.

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